Welche Formen der vegetativen Vermehrung gibt es?

  1. Ableger:

    Diese Vermehrungsmethode findet vor allem bei der Vermehrung von Sträuchern ihre Anwendung. Möchte man einen Strauch wie beispielsweise die Haselnuss (Corylus avellana) vegetativ Vermehren, so benötigt man zunächst mal im direkten Umkreis des vorhandenen Exemplars Platz.

    Die vorjährigen, frischen Triebe werden so gut es geht sternförmig und der ganzen Länge nach am Boden in dafür vorgefertigten Rinnen abgelegt und mit Drahtkrampen befestigt, so dass sie sich nicht mehr aufrichten können.

    Man läßt die Zweige erstmal unbedeckt liegen, damit die Augen an den Nodien ganz normal austreiben. Durch die horizontale Lage treiben sie alle senkrecht nach oben, dem Licht entgegen aus. Ist dies erfolgt, kann man die Rinne vorsichtig mit Erde füllen und um die neuen Triebe herum sogar etwas anhäufeln.

    Geduldiges Warten ist nun erforderlich, denn die Wurzelbildung braucht ihre Zeit. Frühestens im Herbst, aber besser noch im nächsten Frühjahr kann man den Zweig in der Rinne wieder freilegen und die bewurzelten Triebe auseinanderschneiden. Sie können dann einzeln in die Erde oder in Pflanzgefäße gesetzt werden.





  2. Abmoosen:

    Ähnlich wie bei den Absenkern findet die Bewurzelung noch direkt an der Mutterpflanze statt. Man sucht sich einen gesunden Seitentrieb aus und verletzt ihn durch einen flachen zungenförmigen Längsschnitt am Zweig oder durch das vorsichtige ringförmige Abtragen der Rinde. An einer verletzten Stelle findet die Bewurzelung oft leichter statt.

    Dann umwickelt man die Wunde mit Torfmoos (Sphagnum) oder groben Kompost und befestigt diese Auflage durch eine weitere Umwickelung mit Kunststofffolie. Diese lockere und feuchtigeitsspeichernde Verband verhindert ein schnelles Abheilen der Verletzung und fördert die Wurzelbildung. Wiederum ist Geduld gefragt. Wie lange man warten muß, hängt von der einzelnen Art ab. Nach ein bis zwei Wochen sollte man einfach einen Kontrollblick riskieren. Wenn sich ausreichend Wurzeln gebildet haben, kann der Trieb mit einem sterilisierten Werkzeug abgetrennt und eingepflanzt werden.

    Da die Bewurzelung oberhalb der Erde stattfindet, spricht man bei dieser Methode auch von Luftablegern. Der Begriff "Abmoosen" erklärt sich duch das Material, das man traditionellerweise für das Verbinden der Wunde verwendet. In Fachkreisen spricht man auch vom Markottieren.

    Angewandt wird diese Methode der vegetativen Vermehrung hauptsächlich bei grünen Zimmerpflanzen wie beispielsweise Ficus, Monstera oder auch Philodendron. Sie bietet sich an zur Verjüngung von älteren Pflanzen mit verkahlenden Stämmen.

    Zudem ist das Abmoosen eine für die Pflanze ungefährliche Methode, wenn man ausprobieren möchte, ob sich die Pflanze überhaupt vegetativ vermehren läßt. Findet keine Bewurzelung statt, so entfernt man einfach den Moosverband und die Pflanze kann ungehindert weiterwachsen ohne größeren Schaden genommen zu haben.






  3. Abrisse:

    Auch die Methode der Abrisse oder auch des Anhäufelns bezieht sich hauptsächlich auf Sträucher ebenso wie die Ableger.

    Im Frühjahr wird die Strauchbasis des zu vermehrenden Exemplars immer wieder mit feinkrümeliger Erde angehäufelt bis die Strauchtriebe ca. 20 bis 30 cm hoch mit Erde umschlossen sind. In diesem erdumschlossenen Bereich kommt es während des Jahres zu neuer Wurzelbildung.

    Im Herbst kann man dann die angehäufelte Erde vorsichtig entfernen und die bewurzelten Triebe abreißen oder bodennah abschneiden. Diese können dann wieder in Erde verpflanzt werden und mit der Zeit wachsen wieder neue prächtige Sträucher daraus.




  4. Absenker:

    Das Absenken funktioniert sehr ähnlich wie das Ablegen und ist damit auch eine Vermehrungmethode für Sträucher und Gehölze

    Dazu werden im Frühjahr die einjährigen Triebe bogenförmig zum Boden herabgeführt und ebenfalls in eine zuvor gegrabenen Rinne gelegt. Der Trieb wird nun sofort mit Erde bedeckt, so dass die Triebspitze wieder aus dem Boden herausschaut. Bei Kletterpflanzen, die über sehr lange Triebe verfügen, kann ein Trieb auch mehrfach hintereinander wellenförmig abgesenkt werden. Bei den meisten Pflanzen wird sich wieder bis zum Herbst eine Bewurzelung an den abgesenkten Teilen des Triebes einstellen.

    Manche Pflanzen benötigen aber möglicherweise auch länger für eine Bewurzelung. Deswegen im Herbst vorsichtig den Trieb freilegen und möglicherweise noch einmal mit Erde bedecken. Ansonsten kann der bewurzelte Trieb von der Mutterpflanze abgetrennt und einzeln verpflanzt werden.




  5. Augenstecklinge:

    Als Augensteckling bezeichnet man ein kleines abgetrenntes Stück vom Spross mit einem Auge. Je nachdem, um was für eine Pflanze es sich handelt und zu welchem Zeitpunkt der Steckling genommen wird, gibt es noch ein paar Kleinigkeiten zu beachten:
    • Bei Pflanzen, die eine wechselständige Blattstellung haben, schneidet man ein Sprossstück mit einem Auge, aus dem schon ein Blatt austreibt und setzt dieses so in die Erde, dass der Blattaustrieb oberirdisch bleibt.
    • Bei Pflanzen mit gegenständiger Blattstellung schneidet man den Augensteckling genauso wie bei wechselständiger Blattstellung. Zusätzlich wird das Sprossstück noch der Länge nach halbiert. Man erhält dadurch zwei Stecklinge, die jeweils mit der geschnittenen Seite nach unten in Erde gepflanzt werden.
    • Befindet sich eine Pflanze zum Zeitpunkt der Stecklingsentnahme gerade in der Vegetationruhe, so entnimmt man natürlich ein Sprossstück mit einem schlafenden Auge ohne Blattaustrieb und verfährt wie zuvor beschrieben.



    Augenstecklinge lassen sich hervorragend von folgenden Pflanzen nehmen:

    • Feigen (Ficus in Sorten und Arten)
    • Glanzkölbchen (Aphelandra in Arten und Sorten)
    • Gartenhortensie (Hydrangea macrophylla)



  6. Ausläufer:

    Einige Pflanzen bilden entweder ober- oder unterirdisch wachsende Seitentriebe, die Wurzeln bilden. Solche waagerecht wachsenden Seitentriebe nennt man auch Ausläufer. Vor allem in den Gruppen der Gräser und Farne kommt es häufiger zu Ausläuferbildung.

    Diese bewurzelten Ausläufer können einfach mit einer Grabgabel angehoben werden und an geeigneten Stellen von der Mutterpflanze abgetrennt werden. Dann einzeln in Erde setzen und weiterwachsen lassen.

    Ein sehr bekanntes Beispiel für diese Ablegerbildung sind Erdbeeren (Fragaria in Arten und Sorten) und Steinbrech (Saxifragia in Arten und Sorten).




  7. Blattsteckling:

    Tatsächlich ist es bei einigen Pflanzen sogar möglich neue Pflanzen nur aus dem Blatt oder einem Blattstück der Mutterpflanze zu gewinnen.

    Ein Grund für das Funktionieren dieser Methode ist das Vorhandensein von schlafenden Knospen an der Blattunterseite.

  8. Stammsteckling
  9. Steckholz
  10. Teilung
  11. Trieb- und Sprosssteckling
  12. Veredelung
  13. Wurzelsteckling